English
Espana
Estonia
France
Latvia
Lithuana
Poland
Russia
Ukraine
 
Beratungs-Hotline von 8 – 17 Uhr: +49 (0) 9371 940 174
Beratungs-Hotline von 8 – 17 Uhr: +49 (0) 9371 940 174   
Josera Futtermittel für Kälber / Ratgeber / Hygiene im Kälberstall

Hygiene im Kälberstall

Die meisten Erkrankungen bei Kälbern sind sog. „Faktorenkrankheiten“. Das bedeutet, dass mehrere Ursachen für den Ausbruch einer Krankheit verantwortlich sind. So kann Durchfall das Ergebnis von Durchfallerregern oder unpassender Fütterung oder Stress oder von allen dreien sein. Im nachfolgenden Beitrag erfahren Sie, wie die Infektionsketten effektiv gebrochen werden können und die Hygiene bei der Kälberaufzucht aufrecht erhalten werden kann

JOSERA Kalb im Kälberiglu liegend

Inhaltsverzeichnis:

Hygiene

Viele positive Einflussfaktoren helfen das Kalb gesund zu erhalten. Stressfreie Haltung auf Stroh, ausreichende Versorgung mit Biestmilch und eine einwandfreie Tränke sind nur einige davon. Bei der Aufstallung der Tiere im Iglu oder in Buchten im Stall wird häufig aber der wichtigste Faktor außer Acht gelassen: Die Hygiene. Konsequente Reinigung und Desinfektion kennt der praktische Landwirt ja eigentlich nur aus dem Schweine- und Geflügelbereich. Kokzidien, Kryptosporidien oder Salmonellen sind aber im Rinderbereich keine Seltenheit mehr. Für den hochsensiblen Altersabschnitt beim jungen Kalb gelten deswegen die gleichen hohen Anforderungen an die Hygiene, um Erkrankungen vorzubeugen.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist es, sich erst einmal selber einen Blick für die „Problemzonen“ in der Kälberhaltung zuzulegen.
Man unterscheidet drei kritische Bereiche in der Kälberaufzucht, auf die im Folgenden näher eingegangen wird.

JOSERA Grafik, die die Keimdichte nach unteschiedlichen Reinigungsschritten aufzeigt

Abb. 1: Auswirkungen verschiedener „Reinigungsschritte“ auf die Keimdichte

Geburtshygiene

Der Bereich der Geburtshygiene liegt in einer Grauzone. Genau genommen fängt er schon mit der Fütterung der hochträchtigen bzw. trockenstehenden Kuh an. Nur eine optimal versorgte Mutter kann das Ungeborene ausreichend mit Nährstoffen versorgen. Darüber hinaus hat man durch die Trockensteherfütterung direkten Einfluss auf die Biestmilchqualität. Eine verfettete Kuh hat bei der Kalbung mehr Probleme mit Schwergeburt als eine Kuh mit optimaler Kondition. Ein weiterer kritischer Punkt ist das Thema Geburtshilfe. Natürlich muss der Betriebsleiter kontrollieren, ob bei der Geburt alles „flutscht“, d. h. die Lage des Kalbes in Ordnung ist und keine Komplikationen auftreten. Bei Betrieben mit Angestellten ist oftmals ein Übereifer zu beobachten. Aber gerade zu frühe oder zu starke Geburtshilfe können das Kalb und die Kuh verletzten. Hier sollte man öfters der Natur ihren Lauf lassen. Bei Kontrolluntersuchungen (auch der Nachgeburt) muss man sich unbedingt die Hände waschen, um keine Keime in den Geschlechtsapparat einzuschleusen. Ebenso sollten Geburtshelfer immer sauber und möglichst steril sein.

JOSERA Rind im Stall stehend, mit frischgeborenem Kalb

Haltungshygiene

Die Haltungshygiene hat viele Facetten. Angefangen vom Klima bis hin zur Desinfektion von Kälberiglus erstreckt sich dieser Bereich. Je nach Aufstallungsart hat man verschiedene Möglichkeiten und Pflichten auf die Hygiene zu achten. Einzeliglus bieten den Vorteil den Standort konsequent zu wechseln und so „bodenbürtige“ Erreger zu dezimieren. Trotzdem müssen die Innenwände und Abtrennung möglichst nach jedem Kalb gereinigt und von Kotresten vom Vormieter befreit werden. Schwieriger wird die Sauberhaltung von Holzaufstallungen. Hier ist eine 100%ige Sauberkeit gar nicht möglich, weil sich in den Ritzen und Holzfasern Keime und Schmutz halten können. Wärmende Stroh-Matratzen sollten regelmäßig ausgetauscht werden. Eine Hilfe bieten hier Streukalke und mehlförmige Hygienemittel, die oft sogar bei belegten Ställen eingesetzt werden können.

Reinigung und Desinfektion ist der Hauptfaktor zur Unterbrechung der Infektionsketten (siehe auch Abbildung 1). Dabei kommt es auf das richtige Mittel, die richtige Konzentration und die richtige Dauer der Anwendung an. Hier unbedingt auf die Sicherheitshinweise der Hersteller achten. Zur Haltungshygiene gehört auch der Bereich des (Stall)Klimas. Kälberställe im Außenbereich haben sich bewährt. Die Angst vor zu großer Kälte oder Zugluft hat sich im Außenklima nicht bestätigt. Wichtig ist, dass die Tiere Rückzugsmöglichkeiten mit Mikroklima haben. Das gilt auch für Kälber, die im Kuhstall aufgestallt sind. Moderne Milchviehställe haben große Luftvolumina – für die Kühe gut, für die Kälber schlecht. Gerade hier sollte durch Abhängen oder Anbringen von Zwischendecken Schutz vor Zugluft und Kälte sichergestellt werden. Regelmäßiges frisches Einstreuen mit einwandfreiem Stroh und Kontrolle der Tränken, sowie täglich neue Vorlage von Rau- und Kraftfutter runden die Haltungshygiene ab.

JOSERA Kalb im Stall stehend

Tränkehygiene

Regelmäßiges Eimerspülen oder Wechsel der Tränkenuckel ist kein Luxus. Gerade neugeborene Kälber brauchen einen neuen Nuckel, um ein Übersaufen zu verhindern. Auch die Reihenfolge der Tränke spielt eine Rolle bei der Unterbrechung der Infektionsketten. Bei der Eimertränke immer mit den jüngsten Tieren beginnen und die älteren erst danach füttern, um eine Keimverschleppung von alt nach jung  zu vermeiden, da Jungtiere das schwächere Immunsystem haben. Bei Betrieben mit größeren Kälberherden empfiehlt es sich für jedes neue Kalb einen neuen Eimer zu verwenden, gerade dann, wenn die Eimer nach dem Tränken nicht richtig gereinigt werden, sondern an der Box oder im Iglu hängen bleiben.

JOSERA Kälber im Kälberiglu trinkend

Fazit

All diese Maßnahmen tragen zur Verminderung des Keimdrucks bei. Wichtig ist gerade in dem wichtigen Bereich Kälberhaltung die Tierbeobachtung und Dokumentation von Auffälligkeiten auch und gerade bei wechselndem Betreuungspersonal. Durch konsequentes Hygienemanagement kann man nachhaltig Erkrankungen reduzieren und Tierarztkosten sparen.

 

Das könnte Sie auch interessieren: